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Das Paradies zu meiner Rechten, die Hölle zu meiner Linken – und der Todesengel hinter mir.
Rätselspruch der Fremen
Wie versprochen besorgte der Wasserhändler einen nicht registrierten Frachter für Dominic Vernius. Der zerstreute Lingar Bewt überführte ihn von Carthag zur Wasserfabrik am Südpol und händigte dem Renegaten mit verlegenem Lächeln die Schlüsselkarte aus. Dominic flog das leicht ramponierte Schiff zusammen mit Johdam zum geheimen Landeplatz in der antarktischen Schlucht. Der frühere Graf von Ix sagte während des Fluges kaum ein Wort.
Der schwere Transporter war alt und gab seltsame ächzende Geräusche von sich. Fluchend schlug Johdam auf die Kontrollen. »Verdammte Schnecke! Ich glaube kaum, dass die Kiste noch länger als ein Jahr heil übersteht, Dom. Es ist ein Schrotthaufen.«
Dominic warf ihm einen flüchtigen Blick zu. »Für unsere Zwecke reicht es, Johdam.« Vor vielen Jahren war er dabei gewesen, als Johdams Gesicht von einer Stichflamme verbrannt worden war. Dann hatte der Veteran während des ersten fehlgeschlagenen Angriffs auf Ix Dominic das Leben gerettet und ihn aus dem Feuer der Sardaukar gezogen. Er hatte nicht den geringsten Zweifel an Johdams Loyalität, aber jetzt war es an der Zeit, dass Dominic ihn freigab, damit der Mann wieder ein eigenes Leben führen konnte.
Als Johdam vor Wut errötete, blieb das Gewebe seiner Brandnarbe blass und wächsern. »Hast du gehört, wie viele Solaris Tuek uns für dieses Wrack abgenommen hat? Wenn wir damals auf Ecaz solche Ausrüstung gehabt hätten, wären die Rebellen uns haushoch überlegen gewesen. Sie hätten mit Steinen werfen und uns schwere Verluste zufügen können.«
Seit Jahren hatten sie gemeinsam gegen die Gesetze des Imperiums verstoßen, doch alles Weitere musste Dominic ganz allein tun. Er empfand eine merkwürdige Zufriedenheit über seine Entscheidung und sprach mit ruhiger und gleichmäßiger Stimme. »Rondo Tuek weiß, dass er von uns in Zukunft keine Bestechungsgelder in gewohnter Höhe mehr erwarten kann. Also will er noch einmal so viel Gewinn wie möglich einstreichen.«
»Aber er hat dich betrogen, Dom!«
»Hör mir zu.« Er beugte sich zu seinem Statthalter hinüber. Der schwere Frachter vibrierte, als er in den Landeanflug überging. »Es spielt keine Rolle mehr. Ich brauche nur die Mittel ... um zu tun, was ich tun muss.«
Das Schiff kam auf dem Landeplatz in der Schlucht zur Ruhe. Schweiß glänzte auf Johdams vernarbtem Gesicht. Er stapfte die Rampe hinunter. Dominic bemerkte die Ungewissheit und Hilflosigkeit im Gesicht des Mannes. Er wusste, dass Johdam nicht nur auf den Betrug des Wasserhändlers wütend war, sondern auch auf Dominics Pläne ...
Dominics einziger Wunsch war, Ix und sein Volk zu befreien, etwas Positives zu tun, das all die Untaten ausglich, die von den Tleilaxu und Sardaukar verübt worden waren. Aber das stand nicht in seiner Macht. Jetzt noch nicht.
Ihm stand nur die Macht der Zerstörung zur Verfügung.
Der ehemalige ixianische Botschafter Cammar Pilru hatte immer wieder Appelle an den Landsraad gerichtet, aber inzwischen war er zu einer langweiligen Witzfigur geworden. Selbst Rhomburs Bemühungen – die wahrscheinlich im Geheimen von den Atreides unterstützt wurden – hatten bislang nichts bewirkt. Das Problem musste an der Wurzel gelöst werden.
Dominic Vernius, der ehemalige Graf von Ix, wollte eine Botschaft senden, die das Imperium niemals vergessen sollte.
* * *
Nachdem seine Entscheidung gefallen war, hatte Dominic seine Männer tief in die Festung geführt und den Lagerraum geöffnet. Die Schmuggler erstarrten, als sie die eingelagerten Nuklearwaffen sahen. Sie alle hatten sich vor diesem Tag gefürchtet. Sie hatten dem abtrünnigen Grafen lange genug gedient, um keine detaillierten Erklärungen zu benötigen. Sie standen im kalten Korridor oder lehnten sich gegen die Polymerwände.
»Zuerst gehe ich nach Caladan und dann allein nach Kaitain«, gab Dominic bekannt. »Ich habe eine Nachricht für meine Kinder geschrieben, und ich will sie noch einmal wiedersehen. Es ist viel zu viel Zeit vergangen. Ich muss es endlich tun.« Er blickte der Reihe nach jeden der Schmuggler an. »Ihr seid von nun an frei. Ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt. Ich schlage vor, dass ihr unsere Lager liquidiert und die Basis aufgebt. Kehrt zurück zu Gurney Halleck auf Salusa Secundus – oder zu euren Familien. Ändert eure Namen, löscht alle Aufzeichnungen, die unsere Aktivitäten dokumentieren. Wenn ich Erfolg habe, hat unsere Gruppe keine weitere Existenzberechtigung mehr.«
»Und der gesamte Landsraad wird uns zum Abschuss freigeben«, knurrte Johdam.
Asuyo versuchte, Dominic von seinem Vorhaben abzubringen. Er sprach in militärischem Tonfall, wie ein Offizier, der mit seinem Vorgesetzten diskutiert. Aber Dominic wollte ihm nicht zuhören. Der Graf von Ix hatte nichts mehr zu verlieren; ihm blieb nur noch die Rache. Wenn er auch den letzten Corrino aus diesem Universum gefegt hatte, könnten sein Geist und der Shandos vielleicht endlich Frieden finden.
»Bringt diese Waffen an Bord des Frachters«, sagte er. »Ich selbst werde ihn fliegen. In zwei Tagen trifft ein Gilde-Heighliner ein.« Er starrte sie alle mit ausdruckslosem Gesicht an.
Einige der Männer wirkten erschüttert. Ihnen standen Tränen in den Augen, aber sie wussten, dass sie dem Mann nicht widersprechen sollten, der sie durch zahlreiche Schlachten geführt hatte, der einst die gesamte Industrie von Ix verwaltet hatte.
Schweigend machten sie sich an die Arbeit. Sie holten Suspensorklammern und schafften die Atomwaffen eine nach der anderen hinaus. Sie bewegten sich ohne Hast, da sie sich keineswegs auf den Abschluss dieser Aufgabe freuten.
Ohne zu essen oder zu trinken überwachte Dominic den ganzen Tag lang den Fortschritt der Arbeit. Sprengköpfe in Metallbehältern wurden auf Paletten hinausgetragen und dann durch die Tunnel zum Landeplatz befördert.
Er stellte sich vor, wie es wäre, Rhombur wiederzusehen und sich mit ihm über Politik zu unterhalten. Er wollte hören, welche Ziele sich Kailea gesetzt hatte. Er fragte sich, wie seine Kinder jetzt aussehen mochten, wie groß sie geworden waren. Hatten sie bereits eigene Familien, und war er bereits Großvater? War es wirklich schon über zwanzig Jahre her, seit er sie das letzte Mal gesehen hatte – als Ix gefallen war?
Es blieb ein gewisses Risiko, aber Dominic wollte es trotzdem probieren. Seine Kinder würden es von ihm erwarten. Er würde alle Eventualitäten berücksichtigen. Er wusste, wie schwierig es auch in emotionaler Hinsicht sein würde, aber er versprach sich, stark zu sein. Wenn Rhombur erfuhr, was er beabsichtigte (sollte er es seinem Sohn sagen?), würde der Prinz diese Gelegenheit nutzen und an der Seite seines Vaters für Ix kämpfen. Wie würde Kailea reagieren? Würde sie versuchen, ihren Bruder zurückzuhalten? Wahrscheinlich.
Dominic kam zu dem Schluss, dass es das Beste wäre, seinen Kindern nichts von seinen Plänen zu erzählen. Dadurch würden nur neue Probleme entstehen.
Möglicherweise gab es ein weiteres Kind, mit dem Dominic gerne Kontakt aufgenommen hätte. Seine geliebte Shando hatte vor der Heirat mit Dominic, während ihrer Zeit als Konkubine im Palast des Imperators, einen unehelichen Sohn zur Welt gebracht. Sein Erzeuger war Elrood Corrino. Man hatte ihr das Kind kurz nach der geheimen Geburt weggenommen. In ihrer Stellung hatte Shando kein Recht gehabt, diesen Sohn bei sich zu behalten, und trotz ihrer ständigen Bitten um Informationen hatte sie niemals erfahren, was aus ihm geworden war. Er war einfach verschwunden.
* * *
Asuyo und Johdam konnten es nicht ertragen, die Vorbereitungen zu beobachten, und machten sich daran, die Vermögenswerte und Vorräte unter den Männern aufzuteilen. Der alte Asuyo hatte seine Orden und Rangabzeichen entfernt und zu Boden geworfen. Sie mussten so schnell wie möglich diese Basis verlassen und sich in alle Winkel des Imperiums zerstreuen.
Murrend machte Johdam eine Bestandsaufnahme ihrer Gewürzvorräte und brachte sie zusammen mit zwei weiteren Männern zur Fabrik des Wasserhändlers. Dort wollten sie die ihnen verbliebene Ware gegen Krediteinheiten tauschen, mit denen sie sich Passagen, Identitäten und neue Existenzen kaufen konnten.
In den letzten Stunden holte Dominic alle Gegenstände aus seinem Quartier und verschenkte Schätze, die keine Bedeutung für ihn hatten. Er behielt nur wenige Dinge, die ihm am Herzen lagen. Die Holo-Porträts von Shando und Andenken an seine Kinder waren ihm wichtiger als jeder Reichtum. Er wollte sie Rhombur und Kailea zurückgeben, damit sie etwas hatten, das sie an ihre Eltern erinnerte.
Als er die kühle, staubige Luft der Räume einatmete, die so viele Jahre lang sein Zuhause gewesen waren, bemerkte Dominic Details, die er seit dem Bau der Festung nicht mehr gesehen hatte. Er betrachtete Risse in den Wänden, unebene Stellen im Boden und an der Decke ... doch im Innern hatte er nur das Gefühl des Versagens und der Leere. Er kannte nur eine Möglichkeit, wie er diese Leere ausfüllen konnte – mit Blut. Die Corrinos würden für ihre Verbrechen bezahlen.
Dann würden seine Kinder und das Volk von Ix stolz auf ihn sein.
Als alle Waffen bis auf drei Sprengköpfe und zwei Steinbrenner an Bord des schweren Frachters geschafft waren, trat er in den matten antarktischen Sonnenschein hinaus. Ein Lichtstrahl hatte den Weg in die tiefe Schlucht gefunden. Dominic hatte jeden Schritt des Angriffs auf die Hauptwelt des Imperiums geplant. Niemand würde mit einer solchen Überraschung rechnen. Shaddam würde nicht einmal die Zeit bleiben, sich unter seinem Goldenen Löwenthron zu verkriechen. Dominic wollte keine grandiosen Ansprachen halten und seinen Triumph nicht bis zum Letzten auskosten. Niemand würde wissen, dass er gekommen war. Es würde bis zum Ende eine Überraschung bleiben.
Elrood IX. war bereits tot, und der neue Padischah-Imperator hatte nur eine Bene-Gesserit-Frau und vier kleine Töchter. Es wäre also gar nicht so schwierig, die Linie der Corrinos auszulöschen. Dominic Vernius wollte sein Leben opfern, um das imperiale Haus zu zerstören, das viele Jahrtausende lang seit der Schlacht von Corrin regiert hatte.
Er sog einen tiefen Atemzug in seinen mächtigen Brustkorb. Er drehte den Kopf und blickte an den steilen Wänden der schmalen Schlucht hinauf. Johdams Shuttle setzte zur Landung an. Dominic wusste nicht, wie lange er regungslos dagestanden hatte, während seine Männer weiterarbeiteten und die Nuklearwaffen zählten.
Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Johdam stürmte mit gerötetem Gesicht und wehendem Parka auf ihn zu. »Man hat uns verraten, Dom! Die Fabrik des Wasserhändlers ist verlassen! Alle Außenweltler sind fort. Der Betrieb wurde eingestellt. Sie haben ihre Sachen gepackt und sich Hals über Kopf in Sicherheit gebracht.«
Keuchend fügte Asuyo hinzu: »Sie wollen nicht in unserer Nähe sein, Herr. Weil etwas geschehen wird.« Er war völlig verändert. Selbst ohne seine Orden war er wieder ein Offizier, der bereit war, sich dem blutigen Kampf zu stellen.
Einige Schmuggler stießen wütende Schreie aus. Dominics Gesichtsausdruck versteinerte grimmig. Damit hätte er rechnen müssen. Selbst nach all den Jahren der Zusammenarbeit konnte man Rondo Tuek nicht vertrauen.
»Nehmt mit, was ihr tragen könnt. Geht nach Arsunt, Carthag oder Arrakeen, aber verschwindet, bevor dieser Tag vorbei ist. Legt euch andere Identitäten zu.« Dominic deutete auf den alten Frachter. »Ich will nur noch die letzten Sprengköpfe einladen und dann starten. Ich bin immer noch entschlossen, meine Mission zu erfüllen. Meine Kinder warten auf mich.«
* * *
Eine knappe Stunde später, während die letzten Evakuierungsmaßnahmen liefen, traf die militärische Streitmacht ein. Ein komplettes Sardaukar-Geschwader aus tief fliegenden Angriffsthoptern. Sie warfen Erschütterungsbomben ab, die die gefrorenen Wände beschädigten. Breit gefächerte Lasgun-Strahlen schlugen in die Klippen und verwandelten sie in Dampf und Staub. Das Eis taute, Felsblöcke stürzten in die Schmelzkrater.
Die Thopter der Sardaukar stießen wie Raubfische herab in die Schlucht. Mit weiteren Sprengsätzen zerstörten sie vier Transportschiffe, die auf dem Landeplatz aus Geröll standen.
Entschlossen sprang Asuyo in einen Ornithopter und startete den Motor, als wollte er sich seine nächste Tapferkeitsmedaille verdienen. Das Gefährt stieg auf, und die Waffen liefen warm. Er vergeudete ein paar Atemzüge damit, über das Kom-System Tueks Verrat und die Sardaukar insgesamt zu verfluchen. Doch bevor er einen Schuss abfeuern konnte, hatten zwei imperiale Jäger ihn und den Thopter in eine brennende, schwarze Rauchwolke verwandelt.
Truppentransporter landeten auf dem ebenen Boden, und bewaffnete Kämpfer quollen wie aufgestörte Insekten heraus.
Mit chirurgischer Genauigkeit zerstörten die Sardaukar die Triebwerke von Dominics Frachter. Sie schienen zumindest zu vermuten, dass sich die Familienatomwaffen an Bord dieses Schiffes befanden. Nun konnte der verbannte Graf nicht mehr damit starten und erst recht nicht Kaitain erreichen. Als Dominic die Stärke des imperialen Geschwaders einzuschätzen versuchte, wusste er, dass er und seine Schmuggler nicht mehr entkommen konnten.
Johdam blaffte wieder Befehle wie ein alter Offizier und organisierte seinen letzten Widerstandskampf. Die Männer rannten todesmutig in die Kampfzone und feuerten mit den unterschiedlichsten Waffen auf die anrückenden Sardaukar-Truppen. Mit Messern oder bloßen Händen töteten die Krieger des Imperators jeden Schmuggler, der ihnen über den Weg lief. Für sie war es kaum mehr als eine militärische Übung, und es schien ihnen Spaß zu machen.
Schließlich zog sich Johdam mit einer Handvoll überlebender Männer in die Tunnel zurück, wo sie sich verbarrikadieren und verteidigen wollten. In einer déjà-vu-haften Wiederholung der Tragödie während der Ecazi-Rebellion sah Dominic, wie Johdams Kopf von einer Lasgun-Salve zerschossen wurde – genau wie bei seinem Bruder ...
Dominic hatte nur noch eine Chance. Es wäre kein Sieg, wie er ihn sich vorgestellt hatte, und Rhombur und Kailea würden niemals davon erfahren ... Doch angesichts der Alternative einer totalen Niederlage entschied er sich für eine andere verzweifelte Maßnahme. Er und seine Männer würden ohnehin sterben.
Die Ehre verlangte es, dass er bei seinen Truppen blieb, um gemeinsam mit seinen Männern bis zum Tod zu kämpfen – auch wenn es letztlich eine völlig sinnlose Geste war. Sie wussten es, und er wusste es. Die Sardaukar vertraten den Imperator und gaben Dominic Vernius damit die Gelegenheit, ihm einen symbolischen, aber dennoch tödlichen Schlag zu versetzen. Im Namen von Ix, im Namen seiner Kinder, im Namen des Grafen Dominic Vernius.
Als sich die Wände der Schlucht im konzentrierten Feuer in Lawinen aus Matsch und Stein verwandelten, lief Dominic geduckt in die Basis. Einige seiner Männer folgten ihm, weil sie glaubten, er würde sie in eine bessere Deckung führen. Er schwieg und versuchte nicht, sie über sein tatsächliches Vorhaben aufzuklären.
Die Sardaukar drangen in die Gänge ein und rückten in Angriffsformation vor. Sie töteten jeden, den sie sahen. Sie machten keine Gefangenen, weil es unnötig war, irgendjemand zu verhören.
Dominic zog sich in die tieferen Ebenen zurück und näherte sich dem Lagerraum. Der Korridor endete in einer Sackgasse. Jetzt verstanden die Männer hinter ihm entsetzt, was er zu tun beabsichtigte.
»Wir halten sie so lange hin, wie wir können, Dom«, versprach einer von ihnen. Sie bezogen Stellung an beiden Seiten des Tunnels und hielten ihre nicht sehr schlagkräftigen Waffen bereit. »Wir geben dir genügend Zeit.«
Dominic hielt nur einen kurzen Moment inne. »Ich danke euch. Ich werde euch nicht enttäuschen.«
»Sie haben uns noch nie enttäuscht, Herr. Jeder von uns wusste, worauf er sich einließ, als wir uns einverstanden erklärten, Ihnen zu folgen.«
Er erreichte die offene Tür zum gesicherten Lagerraum im selben Augenblick, als hinter ihm eine laute Explosion ertönte. Die Wände stürzten ein, durchbrachen die Polymerverkleidung und setzten ihn und seine Männer hier unten fest. Aber den Rückweg hatte er ohnehin nicht mehr benutzen wollen.
Die Sardaukar würden sich in wenigen Minuten durch die Barriere gearbeitet haben. Sie hatten das Blut von Dominic Vernius gerochen und würden keine Ruhe geben, bis sie ihn hatten.
Er lächelte humorlos. Shaddams Männer würden eine Überraschung erleben.
Mit dem Handflächenschloss versperrte Dominic das Eingangsschott des Gewölbes. Im letzten Moment sah er noch, wie die eingestürzten Trümmer aufglühten. Dann schnitten ihn feste Wände von allen Geräuschen ab.
Hinter dem Schutz der schweren Tür drehte sich Dominic zu den noch verbliebenen Stücken seines nuklearen Waffenarsenals um. Er wählte einen Steinbrenner, eine kleinere Waffe, deren Wirksamkeit sich einstellen ließ. Sie konnte einen gesamten Planeten vernichten oder nur einen begrenzten Bereich verwüsten.
Die Sardaukar hämmerten bereits gegen die Tür, als er den Steinbrenner aus dem Behälter hob und die Bedienungselemente studierte. Er hatte nie geglaubt, dass er es eines Tages nötig haben würde, die Funktionsweise dieser Waffen zu verstehen. Sie waren als Weltuntergangsmaschinen gedacht, die nie zum Einsatz kommen sollten. Ihr bloßes Vorhandensein genügte unter normalen Umständen als Abschreckung gegen übermäßige Aggression. Gemäß der Großen Konvention würde jeder Einsatz von Nuklearwaffen von der gesamten militärischen Streitmacht des Landsraads geahndet werden.
Die Männer im Tunnel vor dem Lagerraum waren bereits tot. Dominic hatte nichts mehr zu verlieren.
Er regulierte die Reaktionsmasse des Steinbrenners und stellte den Zündmechanismus so ein, dass nur die nähere Umgebung der Basis zerstört wurde. Es bestand kein Grund, alle unschuldigen Bewohner von Arrakis mit ins Verderben zu reißen.
So etwas würden nur Corrinos tun.
Er fühlte sich wie ein Kapitän zur See, der zusammen mit seinem Schiff unterging. Nur eins bedauerte er wirklich: dass er nun doch keine Gelegenheit erhalten hatte, sich von Rhombur und Kailea zu verabschieden, dass er ihnen nicht mehr sagen konnte, wie sehr er sie liebte. Sie mussten jetzt ohne ihn weiterleben.
Durch einen Tränenschleier sah er noch einmal das schimmernde Bild Shandos, ihres Geistes ... oder nur seine Wunschphantasie. Ihre Lippen bewegten sich, aber er wusste nicht, ob sie ihn wegen seiner Rücksichtslosigkeit tadelte oder ihn zu sich rief.
Die Sardaukar hatten sich nicht mit dem gepanzerten Schott aufgehalten, sondern sich einen Weg durch die Wand geschnitten. Als sie selbstgefällig und siegessicher in das Gewölbe eindrangen, eröffnete Dominic nicht das Feuer. Er schaute einfach nur auf den Zünder des Steinbrenners, der die noch verbleibenden Sekunden abzählte.
Die Sardaukar folgten seinem Blick und erkannten, worum es sich handelte.
Dann verwandelte sich alles in ein grellweißes Inferno.